Mittwoch, 22. Juni 2016

Von Dubrovnik nach Mostar

Unser letztes Frühstück im Lande der Riesen, es hat sich im Laufe der drei Tage gesteigert, neben türkischem Kaffee, Toast, Salami und Käse gibt es heute auch Joghurt mit den Früchten, die wir beim Ausflug an einem Strassenstand in Ston gekauft hatten, leider noch unreif und sauer. Wie mit der Pension besprochen lassen wir den Schlüssel auf dem Tisch zurück, tragen dann alle Koffer nach unten, wobei Illa die Hilfe des Zimmermädchens erhält, welches gerade die Zimmer reinigt. Mit ihrer Hilfe bringen wir unser Gepäck die Stiegen bis zum Stradun hinunter, von dort aus können wir die Koffer bis vor das Ploce-Tor rollen. Ich rufe ein Taxi und wenige Minuten später sind wir bei der Public Garage. Leider kann ich mit der Public Garage nicht denselben Deal wie mit der Pension machen, der Mann bedauert, das Ticket sei nun ein Mal gekauft, gibt mir den Rat, das Ticket an einen Interessenten zu verkaufen. Leider haben wir nicht die Zeit dazu und so machen wir uns auf den Weg in Richtung Mostar.

Ein letzter Blick auf Dubrovnik, im Vordergrund der kleine Hafen
Es geht steil den Berg hoch, an einer Stelle können wir noch einen letzten Blick auf die Altstadt von Dubrovnik werden, dann geht es über seine Kuppe in ein Hochtal, anschliessend einen Hügel hoch, hinter einer langgezogenen Kurve befindet sich bereits die Grenze zu Bosnien-Herzegowina, nur wenige Kilometer von Dubrovnik entfernt. Es ist eine andere Welt in die wir aus der Wohlstandsoase Dubrovnik kommen, die Zollstation befindet sich in einem schäbigen alten Container, eine lange Schlange von Autos lässt nichts Gutes erwarten. Nun - die Probleme lassen dann nicht auf sich warten, jedoch nicht im Zusammenhang mit Illas abgelaufener Identitätskarte. Als der Zöllner in akribischer Weise unsere Identität geprüft hat, indem er unsere Karten in einen Kartenleser eingibt - so modern ist man hier immerhin wenns ums Kontrollieren geht - als ich schon erleichtert aufatmen will, weil das abgelaufene Datum nicht beanstandet wird, da kommt plötzlich die Frage nach dem Versicherungsschein. Ich suche hektisch in meinen Autopapieren, der Mann assistiert mir hilfreich mit der Auskunft "green paper", doch nirgends ist das verflixte Dokument, dass ich sonst immer im Auto habe, zu finden. Ich habe das Gefühl, dass wir nun ernsthafte Probleme bekommen werden. Doch dann löst sich die Situation ganz einfach pekuniär. Ich erfahre, dass ich eine Versicherung auf Zeit lösen muss, das Minimum sind sieben Tage und es kostet 320 Kuna, was etwas über über 40 Franken entspricht. Ich lege 350 Kuna auf den Tisch, während ich dies tue, sehe ich, wie der Kollege daran ist, unsere Identitätskarten nochmals in den Schlitz zu schieben. Schnell sage ich, dass ich aufs Wechselgeld verzichte, ich bekomme überschwänglichen Dank von dem vorher mürrischen Mann und wir können weiterfahren. In der Ferne sehe ich nochmals ein Stück der Küstenebene mit der blauen Adria und ich kann verstehen, warum die bosnischen Serben im Krieg unbedingt die Küste einnehmen wollten, denn ein dünner, nur kilometerbreiter Saum trennt Bosnien-Herzegowina in dieser Gegend vom Meer. Es ist bitter, wenn man vom trockenen Berg, "viel Steine gab's und wenig Brot" in eine grüne Küstenebene blickt, doch dies entschuldigt natürlich nicht die Brutalität, mit der eine schöne alte Stadt beschossen und bombadiert wurde.

Kahle Berge in Bosnien-Herzegowina
Wir fahren auf einer Strasse, welche sich mit vielen Kurven über kahle Berge schlängelt, die mich eher an orientalische Landschaften als an Europa erinnern. Ihr tektonischer Aufbau zeichnet sich in der zeilenartigen Anordnung der spärlichen Buschvegetation ab. Die Dörfer sind ärmlich und immer noch vom Krieg geprägt. An einer Stelle sehen wir eine mit Blumen bekränzte Steinplakette, darauf die Bilder eines Mannes und einer Frau, die Inschrift ist in kyrillischer Schrift, das Todesdatum 2001. Also handelt es sich hier wahrscheinlich nicht um Kriegsopfer sondern ein Paar, welches einer anderen Sitte des Balkans zum Opfer gefallen ist, der
Opfer der Strasse ?
ungezügelten Raserei.

Als wir uns Mostar nähern, sehen wir auf einer Bergkuppe ein total zerschossenes Haus, im nächsten Dorf sehen wir dann die erste Moschee. Wir befinden uns auf dem Gebiet der Republicka Srbska, des Teils von Bosnien-Herzegowina, der von den Serben gehalten wird und der nur bedingt den Weisungen aus der vorwiegend muslimischen Hauptstadt Sarajevo gehorcht. Wir fahren über einen Berg, dann einen lange schräge Ebene hinunter, zur Linken ein begrüntes Flusstal, welches wahrscheinlich von der Neretva bewässert wird. Kurze Zeit darauf sehen wir die Häuser
Hier wurde gekämpft
einer grösseren Stadt im Tal, es ist Mostar. Auf dem Weg zum Hotel Mepas sehen wir, dass in dieser Stadt schwer gekämpft wurde und zwar scheinen die Plattenbauten besondere Widerstandsnester gebildet haben, denn viele von ihnen zeigen Einschüsse von automatischen Waffen, teilweise auch von Panzergranaten. Trotz Navi habe ich kurze Zeit Probleme um das Hotel Mepas zu orten, doch es befindet sich in einem grossen Gebäudekomplex mit einer riesigen Mall. Wir fahren in die Tiefgarage, wo das dritte Untergeschoss für das Hotel reserviert ist, fahren dann mit dem Lift zur Lobby hoch.

Das Hotel ist ein krasser Gegensatz zur ärmlichen Umgebung. Nach der sengenden Mittagshitze herrscht in der Lobby die marmorgeschmückte Kühle eines amerikanischen Hotels, wir erhalten zwei Türkarten für unser Zimmer im neunten Stock, gleichzeitig die Auskunft, dass ein Spa mit Pool sich im achten befindet und dass wir im vierten zu Mittag essen können. Auch der Lift besitzt amerikanischen Glamour, er steigt offen ohne Schacht am Rande des über mehrere Stockwerke reichenden Zentralbereichs der Mall hoch. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, nehmen wir in diesem Restaurant das Mittagessen ein, wir fragen nach einer bosnischen Spezialität und bekommen ein sehr gut schmeckendes Gericht, eine Art Kalbsgeschnetzeltes mit viel Zwiebeln und Reis als Beilage.

Das Innere einer Kriegsruine
Nach dem Essen wollen wir endlich die berühmte Brücke sehen, in der Lobby teilt man uns mit, dass sie kaum mehr als 800 m entfernt ist. Also machen wir uns auf den Fussmarsch, nutzen dabei jeden Schatten aus. Auf dem Weg sehen wir weitere Beispiele der Verwüstung, der Häuserkampf muss hier schrecklich gewesen sein. Der Weg zieht sich endlos und wir bedauern, dass wir den Leuten von der Lobby geglaubt haben und nicht das Auto genommen haben. Endlich sehen wir eine Brücke vor uns, die über die Neretva führt, allerdings eine moderne Brücke, diejenige die wir suchen, liegt nach Auskunft eines Passanten noch mehrere hundert Meter flussaufwärts.

Wenigstens führt der Weg nun parallel zum Fluss und die Häuser der hier beginnenden Altstadt sind deutlich pittoresker als die schäbigen, teilweise zerstörten sozialistischen Plattenbauten der neuen Stadt auf dem jenseitigen Ufer. Wir befinden uns jetzt ohnehin in einer anderen Welt, vor den kleinen Cafes, eines heisst Bosporus, sitzen bärtige Männer mit runden Mützen, Frauen mit Kopftücher
Am Ende der Strasse ein Minarett
kreuzen unseren Weg, in einem Fall ist eine Frau auch völlig schwarz verschleiert und trägt einen Gesichtsschleier. In der Zeitung habe ich früher gelesen, dass die Muslime während des Bosnienkriegs von den Golfstaaten, insbesondere Saudiarabien unterstützt wurden, diese schickten neben Mudjaheddin auch ihre Imame und ihre strenge wahabitische Auffassung des Islams, welche seither den traditionellen "europäisch lieberalen" Islam teilweise ersetzt hat. In Mitteleuropa wird dauernd von einem aufgeklärten Islam gesprochen, der mit unseren Sitten, unserer Verfassung kompatibel ist, man schlägt die
Die Gebetskanzel der Moschee von Mostar
Einführung eines liberalen Religionsunterrichts vor, anstelle der amtlich von der Türkei eingesetzten oder von Saudiarabien finanzierten Imame. Doch man vergisst, dass vor dem unseligen Krieg, der Jugoslawien ein Ende setzte, bereits ein solcher Islam in diesem Lande existierte. Er wurde durch diesen Krieg weitgehend ausgemerzt, die neuen fundamentalistischen Imame erklärten der Bevölkerung, dieser Krieg sei eine Strafe für ihr früheres liberales Verhalten. Hinter einer Biegung stehen wir plötzlich vor einer Moschee, ein Schild besagt, dass sie besichtigt werden kann. Ein junges freundliches Mädchen gibt uns zwei Tickets aus, zeigt uns, wo wir die Schuhe ausziehen müssen und begleitet uns ins Innere. Trotzdem dass diese Moschee als die grösste von Bosnien gilt, scheint sie uns klein im Vergleich zu den Moscheen in Istanbul mit ihrer verschwenderischen Pracht. Als wir wieder draussen sind, ermuntert sie uns dazu, vom Wasser des Brunnens zu trinken, welches von den Gläubigen zur Reinigung verwendet wird. Im Gegensatz zu den sonstigen Brunnen sei das Wasser bei einer Moschee immer trinkbar. Tatsächlich ist das Wasser von einer köstlichen Kühle, es kommt von den umliegenden Bergen.

Die berühmte Brücke nach dem Wiederaufbau
Nur hundert Meter weiter biegen wir in einen Garten ein, im hinteren Bereich direkt oberhalb dem Fluss ist ein kleines Cafe, wir setzen uns an einen der Tische und sehen erstmals die berühmte Brücke "stari most", die von einem osmanischen Baumeister im sechzehnten Jahrhundert erbaut wurde und damals als ein Wunderwerk der Technik galt. Sie schwingt sich mit unblaublicher Eleganz in einem kühnen, gegen die Mitte immer dünner werdenden Bogen über den Fluss, besitzt eine Spannweite von fast 30 m und ihr Scheitelpunkt liegt 19 m über den reissenden Wellen der Neretva. Seit Jahrhunderten galt dieses grossartige Bauwerk als symbolische
Der erste türkische Kaffee mit der Brücke in Sicht
Brücke zwischen Ost und West, zwischen der Welt des Christentums und des Islams bzw. katholischen Kroaten, serbischen und muslimischen Bosniaken. Es war sicher diese symbolische Bedeutung, warum die serbischen Freischärler diese Brücke mit Bedacht zerstörten, denn was wir heute sehen, ist erst ein vor wenigen Jahren beendeter Neubau. Während ich die Brücke betrachte, sehe ich einen jungen Mann in Badehose auf der Seitenmauer der Brücke stehen, irgendwo habe ich gelesen, dass besonders Mutige ab und zu von der Brücke in den Fluss springen, ich habe mein Teleobjektiv bereit, doch der junge Mann
Der Junge in der Badehose will nicht springen.
spring nicht.

Nach der Kaffeepause laufen wir die kurze Strecke bis zur Brücke, die enge Strasse sieht einem orientalischen Bazar gleich, es werden Reiseandenken aller Art verkauft, bestickte Lederwaren, aus Kupfer gehämmerte Teller und natürlich auch all der Kitsch, welcher an allen schönen Orten dieser Welt zu finden ist.

Kurze Zeit darauf laufen wir selber die Rampe der Brücke hoch, sie ist relativ rutschig und besitzt aus der Oberfläche etwas herausragende Quersteine, welche das Rutschen verhindern sollen. Trotzdem muss ich sehr aufpassen und mich auf der Seitenmauer abstützen, von wo
Der Aufgang der Brücke
man einen Blick in das grün strudelnde Wasser der Neretva hat. Später sehe ich übrigens auch, warum der junge Mann immer wieder auf die Seitenmauer der Brücke steigt: er macht auf Wunsch Fotos von den Touristen, die über die Brücke laufen.

Die Brücke ist beidseitig von Gebäuden mit Torbögen gesäumt, auch auf der anderen Seite ist die Strasse beidseitig von Marktbuden gesäumt. Wir stillen unseren Durst mit einem Bier am Aussentisch eines Cafes und nehmen dann ein Taxi zurück zu unserem Hotel.

Nachdem wir uns etwas ausgeruht und erfrischt haben, machen wir die Planung für den Abend. Da wir hier in Kontakt mit dem Orient sind, wollen wir unbedingt türkisch in einem Restaurant essen, wo wir den Sonnenuntergang und später
Auf dem Balkon des Restaurants Lagero
auch die beleuchtete Brücke in der Nacht sehen können. Im Internet finde ich das Restaurant Lagero, welches offensichtlich beide Genüsse bietet. Als ich in der Lobby nach dem Restaurant frage, mache ich eine seltsame Erfahrung. Obwohl dieses Restaurant mehrfach im Internet lobend erwähnt ist, kennt keiner der Angestellten dieses Hotel. Stattdessen preist man uns ein anderes Restaurant bei der Brücke an, wohin man die Gäste regelmässig schicke. Als dann unser Taxichauffeur ebenfalls sagt, von diesem Restaurant habe er noch nie etwas gehört, werde ich misstrauisch. Wir befinden uns in diesem Teil Sarajevos auf serbisch-orthodoxem Gebiet, das Restaurant hat
Orientalische Hühnerspiesschen mit Fladenbrot
türkische Küche und ist deshalb wahrscheinlich muslimisch. Der Taxischauffeur setzt uns kurz vor der Brücke ab, an der Stelle wo wir am frühen Nachmittag mit dem anderen Taxi abfuhren. Wir kommen an dem vom Hotel empfohlenen Restaurant vorbei, doch mein Widerstandsgeist ist geweckt und dann finde ich das Schild zum Restaurant Lagero dicht vor der Brücke, wir gehen durch ein enges Nebengässchen, welches sich zu einem patioähnlichen Hof erweitert, der von alten Gebäuden flankiert ist. Wir werden freundlich empfangen und auf einen Balkon des ersten Stocks gebracht, von wo wir einen fabelhaften Blick auf die Brücke
Die "stari most" bei Nacht
haben. Das Essen ist dann eher durchschnittlich, entspricht der "Grobmotorik" der Döner-Buden, wie man sie bei uns gewöhnt ist, stark angegrilltes Fleisch, rohe Zwiebeln, Tomaten, Ajvar, doch der Blick kompensiert das Kulinarische bei weitem! Langsam senkt sich die Dämmerung, es erscheinen die ersten Lichter und dann endlich schaltet die Brückenbeleuchtung ein, wirft ihre Reflexe auf den dunklen Fluss in der Tiefe.

Wir kommen in ein persönliches Gespräch mit dem jüngeren Bruder desWirts, der sich als Muslim zu erkennen gibt, allerdings von der liberalen Sorte, denn seine Schwester trägt kein Kopftuch. Ich erzähle ihm davon, dass sowohl das Hotel wie auch der Taxichauffeur keine Kenntnis von seinem Restaurant gehabt hätten, er stösst ein bitteres Lachen aus. Das seien eben Serben und die würden alles tun, damit sie als Muslime kein Geschäft machten. Vor dem Krieg sei alles anders gewesen, da hätte man friedlich zusammengelebt. Doch der Krieg hätte alles verändert und es sei erst einige wenige Jahre her, dass sich die verschiedenen Volksgruppen nach der Reparatur der Brücke überhaupt ins Gebiet der anderen trauten. Als ich erfahre, dass man hier nicht mit Karte zahlen kann, bietet sich der junge Mann spontan an, mich zum nächsten Bankomaten zu begleiten, bleibt diskret im Hintergrund während ich das Geld ziehe. Als wir dann gehen, sind wir direkt Freunde geworden, wir bekommen Baklava, dazu Illa einen Likör und ich einen bosnischen Schnaps. Als wir ein Taxi rufen wollen, besteht der junge Mann darauf, uns zum Hotel zurückzufahren. Ich stelle auf der Fahrt die Frage, wieso sich sein Restaurant auf dieser Seite des Flusses befände, ich hätte geglaubt, der Fluss sei die Grenze der beiden Kriegsparteien gewesen. Nein, antwortet er, es war diese Strasse parallel zum Fluss, über die wir gerade fahren, sie war die Hauptkampflinie während des Kampfs und nun verstehe ich auch, warum die Umgebung unseres Hotels soviele Ruinen aufweist. Als wir aussteigen, sagt der Mann, er hoffe uns wieder ein Mal zu sehen, dann würden wir aber nicht in seinem Restaurant essen sondern bei ihm zuhause.

Dienstag, 21. Juni 2016

Letzter Tag in Dubrovnik

Nachdem Illa meinen Fuss inspiziert und wieder fachgerecht desinfisziert und verbunden hat - sie hat sich zu diesem Zweck gestern extra neues Verbandmaterial in einer Apotheke auf dem Stradun besorgt, mache ich wieder Frühstück, heute gelingt mir sogar der Toast ohne Verbrennungen. Wir wollen heute einen ruhigen Tag einlegen. Im Büro treffe ich die Mitarbeiterin der Pension, zum meiner Freude sind sie einverstanden, dass wir unseren Aufenthalt von sieben auf vier Tage reduzieren, wir können also morgen weiterfahren.

Im Hafen ist das Meer noch ruhig
Heute führt uns der Weg zum Hafen, dabei findet ein Boot unser Interesse, welches zwischen den Sitzbänken im Boden Schaugläser besitzt, sodass man den Meeresboden beobachten kann. Kurze Zeit darauf tuckern wir bereits mit einem bärbeissigen alten Kroaten aus dem Hafen heraus, doch er fährt zur Mole an der anderen Seite, verlässt das Schiff und übergibt das Steuer an einen jungen gut aussehenden Mann, worauf eine englische Touristin zu unserer Erheiterung den lauten Ausruf macht: "What an improvement!" Sobald wir aus dem Schutz des Hafens kommen, beginnt das Boot stark zu
Die Hafeneinfahrt von Dubrovnik
rollen und zu stampfen, einige der Frauen machen leise Schreie, als die Gischt hoch aufspritzt. Deshalb ist es kein Wunder, als die Frage des Bootsmanns, ob man, wie vorgesehen, um die 700 m Dubrovnik vorgelagerte Insel Lokrum fahren wolle, abschlägig beantwortet wird. Deshalb nimmt das Boot Kurs auf die landseitige Felsküste der bergigen, mit Pinien bewachsenen Insel. Als wir uns dem Ufer nähern, starre ich immer wieder durch die Glasscheibe vor mir auf den Meeresboden, die Scheibe ist leider sehr schmutzig doch auch so kann ich erkennen, dass nicht viel zu sehen ist. Heller Geröllboden wechselt ab und zu mit Seegrasfeldern ab, ein
Eine Höhle am Ufer der Insel Lokrum
Mal glaube ich ein kleines Fischchen zu erkennen. Nach einiger Zeit kehrt meine Aufmerksamkeit wieder zu der Szenerie oberhalb des Wasserspiegels zurück. Wir fahren die Küste der Insel entlang, sie enthält einige Badestellen mit Treppen die in den schroffen Fels gehauen sind, ab und zu hat das Meer Höhlen ins Ufer gegraben, im Hintergrund zwischen den Bäumen ein zeltartiger Pavillon, weiter oben ein Gästehaus.

Bei der hinteren Landspitze der Insel biegt unser Boot wieder zur Küste zurück, wir fahren an einem Kreuzfahrtschiff der Fred Olsen Lines vorbei, seine Barkasse hatten wir vorher im Hafen gesehen. Der Rückweg führt dann
Gigantische "Badehöhle" kurz vor dem Hafeneingang
entlang der Küste zum Hafen, auf dem Weg passieren wir einige feudale Badestrände, einer davon mit einer riesigen Felsenhöhle wie ein Dom. Es führt kein sichtbarer Weg hinunter zum Meer, offensichtlich kommen die Gäste über einen unterirdischen Gang zum Strand.

Nach unserer Bootsfahrt schlendern wir wieder durch die Strassen der Stadt, biegen dann vom Stradun meerseitig ab und kommen auch hier an eine steilen Treppenaufgang. Dubrovnik ist rund um das Zentrum nämlich wie ein Amphittheater aufgebaut, auf der Landseite steigen die Strassen wegen des natürlichen Hügels an, hier liegt ja auch unser
Katamaran
Jet-Ski
Transparentes Kajak
"U-Boot"
Appartement, auf der Seeseite sind es die hohen Mauerbastionen. Wir überwinden uns und bezwingen die vielen Stiegen, bis wir fast auf Höhe der obersten Mauer sind. Dort finden wir einen kleinen Durchlass und befinden uns plötzlich auf der felsigen Aussenseite, wenige Treppen unter uns eine dem Fels abgetrotzte kleine Bar. Wir setzen uns an eines der Tischchen, bestellen zwei Ojusko-Biere - köstlich wie alle bisherigen kroatischen Brauprodukte - und betrachten das farbige Treiben auf dem Wasser tief unter uns, wobei ich mit dem Teleobjektiv einige der teilweise absonderlichen Seefahrzeuge aufnehme. Zuerst
kommt ein Katamaran, dann ein Jet-Ski mit Pärchen, dann werden die Wassertransportmittel jedoch sonderbarer, wie ich sie bisher noch nie gesehen habe. Zuerst kommen völlig transparente Kajaks, sodass die Insassen sehr komisch aussehen, wie sie flach auf dem Wasser sitzend rudern, dann eine Art tauchunfähiges Unterseeboot, wo die Zuschauer im Rumpf unterhalb der Wasserfläche wie in einen umgekehrten Aquarium sitzen. Angesichts der Armut der Flora und Fauna unter Wasser tun mir die Leute leid, denn im Gegensatz zu mir können sie den Blick während der ganzen Fahrt nicht auf die viel interessantere Szenerie über dem Wasser richten.

Die kleine Vinothek in der Seitenstrasse
Mittlerweile ist es ein Uhr geworden, wir haben nur kleinen Hunger und finden ein Tischchen in der schönen Weinbar, die gestern abend keinen Tisch mehr frei hatte. Ihre Einrichtung ist alt und geschmackvoll, dunkles Holz, irgendwie erinnert sie ein wenig an die Spanische Bodega im Zürcher Niederdorf. Heute Mittag sind wir die einzigen Gäste und bestellen zu unserem Wein - Illa nimmt einen weissen Malvasier, ich ein Glas des lokalen leichten Rotweins - eine Platte mit diversen Tapas. Diese fallen sehr zu unserer Zufriedenheit aus. Auf einer Holzplatte kommt ein schon optisches ansprechendes Ensemble lokaler Spzialitäten: Prsut, dem italienischen
Platte mit lokalen Tapas
Prosciutto entsprechend, welcher von in Balsamico-Essig marinierten Erdbeeren begleitet wird, daneben geräucherte Austern, dazu Ziegenkäse mit Feigenconfit und ein Tellerchen mit eingelegten schwarzen und grünen Oliven.

Nach dem Mittagessen kehren wir auf unser Zimmer zurück und machen eine mehrstündige Siesta, um uns zu regenerieren. Ich benütze die Zeit auch um im Internet auf Tripadvisor nach einem Hotel an unserem nächsten Reiseziel Mostar zu suchen. Bisher hatte ich alle Hotels von zu Hause aus vorbestellt, von jetzt ab wollen wir die Planung von Tag zu Tag
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machen.

Am frühen Abend gehen wir wieder in die Stadt, es ist unser letzter Abend in Dubrovnik. Auf dem Platz vor der Kathedrale nahe dem Ploce-Tor eine Menschenansammlung, im Hintergrund begleitet ein Orchester einen Sänger, der eine Verdi-Arie singt. Ich erkenne ihn vom Plakat und auch von den vielen Aufklebern in der Stadt, es ist Stijepo Gled Markos, der vom Dubrovnik Symphony Orchestra begleitet wird.

Das Abendessen nehmen wir diesmal wieder im Restaurant Zuzori ein, welches uns bereits vorgestern mit seiner Küche überzeugt hatte. Auch diesmal werden wir nicht enttäuscht, sowohl Illas Black Angus Burger wie auch mein Chicken-Burger, der mit Seetang à la Japonaise gewürzt ist, überzeugen kulinarisch.

Montag, 20. Juni 2016

Ausflug in ein Fischerdorf

Hinter dem reich gedeckten Frühstückstisch
Gestern am Sonntag waren fast alle Läden geöffnet, Dubrovnik hat rund um die Uhr Betrieb und ich glaube dass die Zahl der Restaurants, Bars und Cafes nahe bei der Zahl der Häuser dieser Stadt liegt. Und was nicht der Gastronomie dient, hat mindestens einen Modeladen oder verkauft kitschige Reiseandenken an jedem Tag der Woche und bis spät in der Nacht. Deshalb konnten wir gestern noch die fehlende Butter und Konfitüre einkaufen und während Illa Toilette macht, bereite ich das Frühstück in der kleinen Küchenecke zu. Unter dem Geschirr auf der hohen Ablage sehe ich ein rostfreies Stahlkännchen mit seitlichem Stiel, welches offensichtlich für die Zubereitung von türkischem Kaffee gedacht ist. Ich fülle es mit kaltem Wasser, rühre zwei gehäufte Esslöffel Kaffeepulver ein und stelle es auf die vordere Heizplatte. Inzwischen betrachte ich das vorgestern auf der Fahrt gekaufte Stück Brot, es sieht etwas unansehnlich aus und deshalb entscheide ich mich fürs Toasten, finde in einem der Schränke eine stählerne Bratpfanne und setze mehrere Brotschnitten hinein. Unterdessen ist der Kaffee aufgekocht, ich ziehe ihn kurz vom Herd um ihn anschliessend -
Karte der Küste von Dubrovnik bis Mali Ston
nach türkisch/griechischer Art nochmals aufkochen zu lassen. Plötzlich riecht es ein wenig verbrannt, als ich den Toast kehre, sehe ich schwarze Krusten. Doch das Malheur lässt sich beheben, indem ich die Krusten mit dem Messer abkratze, auch der Kaffee ist ganz annehmbar. Lediglich die Situation bringt uns zum Lachen, wie wir nebeneinander auf dem Sofa hocken, vor uns der niedrige Salontisch, dahinter das grosse Himmelbett. Während wir frühstücken besprechen wir das Tagesprogramm. Wir wollen heute dem Trubel der Stadt entkommen, ein richtiges Fischerdorf besuchen und die Wahl fällt auf Mali Ston. Das Dörfchen ist pittoresk, ist für die Qualität seiner Austern berühmt und liegt im ersten Teil einer 90 km langen Halbinsel, welche sich schräg ins adriatische Meer schiebt und nur durch einen dünnen Meeresarm vom Festland getrennt ist.

Ich mache mich auf den Weg zur Public Garage, fahre dann hinunter zum Buze-Tor, wo Illa bereits auf mich wartet. Die Luft ist schon am Morgen sehr warm und wir sind froh, dass wir noch in der Woche vor der Abfahrt die Klimaanlage reparieren liessen. Die Fahrt führt in zahlreichen Serpentinen entlang der Küste, links die blaue Adria, die oft eher wie ein Binnensee wirkt, da viele Inseln vor der Küste liegen, rechts verkarstete Trockenhänge mit Buschwerk, ähnlich der korsischen Macchia. Vor den Dörfern, die fast alle dem Tourismus dienen, senkt sich die Strasse zum Meer ab, macht dann meist einen Bogen um einen kleinen Hafen um anschliessend wieder Höhe zu gewinnen. Nach einer
Blick auf einen Meeresarm vor Mali Ston
guten Stunde dann endlich hinter Zaton Doli ein Schild mit der Abzweigung nach Ston, wir fahren auf die Halbinsel. Nach kurzer Zeit taucht rechterhand ein enger Meeresarm auf, die Wasseroberfläche ist von in Linien angeordneten regelmässigen Punkten übersät, es handelt sich wahrscheinlich um die bekannten Austernzuchten, die im sauberen Wasser dieser geschützten Meeresarme besonders gut gedeihen. Das enge Strässchen führt durch dichte Vegetation, immer wieder ein kurzer Durchblick aufs Meer, dann ein Nebensträsschen, welches steil zur
Die Austern von Mali Ston sind besonder schmackhaft
Küste hinabführt, ein kleiner Hafen mit rund gemauertem Turm, im Vordergrund ein Parkplatz unter schattigen Bäumen, zur Rechten ein verheissungsvoll aussehendes Fischrestaurant und dahinter ein Eingangstor in einer alten Festungsmauer, welche den Kern des Dörfchens umgibt. Wir treten durch das Tor, machen einen rekognoszierenden Rundgang durch den Ort und kehren dann zum Restaurant am Hafen zurück. Wir haben heute wieder ein Mal eine sehr gute Wahl getroffen. Als Vorspeise gibt es für mich natürlich Austern, Illa wählt den Oktopussalat und durch ein Missverständnis beim Bestellvorgang auch
Der Kellner seziert das Prunktstück: Dorade im Salzmantel
noch einen Hummersalat, den wir uns beide teilen. Als Hauptgang wählen wir eine grosse Dorade, die der Kellner uns im frischen Rohzustand präsentiert, er schlägt uns die Zubereitung im Salzmantel vor und dies müssen wir nicht bereuen, denn das zarte und saftige, auf den Punkt gebratene Fischfleisch wird von den Dünsten des erhitzten Meersalzes in wunderbarer Weise durchzogen. Dieses Gericht wird natürlich von einem süffigen kroatischen Weisswein begleitet, den ich als Autofahrer leider nur begrenzt geniessen kann. Zum Kaffee schlägt der Kellner Illa einen örtlichen Rakija, der - ähnlich der Tessiner Grappa - mit grünen Kräutern versetzt ist. Obwohl der Name vom türkischen Raki
Der runde Turm am Eingang des Hafens von Mali Ston
hergeleitet ist, bezeichnet Rakija auf dem Balkan praktisch alle Arten von Obstschnäpsen und kann - wie im vorliegendem Fall - ein Weintrester nach Grappa-Art oder auch ein Sliwowitz sein. Uebrigens schmeckt er Illa so gut, dass wir beim Kellner eine Flasche für den Heimkonsum kaufen.

Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang zum runden Turm beim kleinen Hafen, die Sonne brennt nun so heiss, dass wir in den Schatten des Turms flüchten, dabei beobachten, wie eine dschunkenhaft aussehende Jacht aus dem Hafen ausläuft.
Muscheln im klaren Wasser des Hafens von Luka
Etwas später sitzen wir dann wieder im Auto und machen eine Erkundungstour, wobei wir einer engen Strasse, fast einem Feldweg, durch die dichte mediterrane Vegetation folgen. Der Weg führt plötzlich steil nach unten und endet im kleinen Fischerort Luka, der offensichtlich neben der Austernzucht von ein Paar Touristenpensionen lebt. Wir laufen die Mole entlang, das Wasser ist kristallklar und ich mache ein Foto von einem Muschelbündel, welches auf der Verankerung einer Boje gewachsen ist. Am Ende der Mole ein grösseres Haus, welches ein Betrieb im Zusammenhang mit der Austernzucht zu sein scheint, an der Mole davor ein Ponton, mit dem
Ponton zur Austernverarbeitung
die Muscheln offensichtlich geerntet und bearbeitet werden. Hinter diesem Haus beginnt dichte Vegetation mit Felsen, die zum Meer hin in grobes Geröll übergehen, etwas weiter hinten ein gerölliger Strand, wo einige Leute unter Sonnenschirmen liegen.

Einen Moment überlegen wir, ob wir nicht auch dorthin gehen sollten, ein kühles Bad wäre eine herrliche Erfrischung, doch sehen wir keinen Weg der zu dieser Stelle führt, auch ist die Temperatur zu heiss für eine Wanderung in unbekanntem Terrain. So kehren wir zurück in die Kühle der Klimaanlage unseres Wagens und beginnen mit der Heimfahrt. Bevor wir die Halbinsel verlassen, kommen wir zum
Die Festungsmauer von Ston klettert den Berg hoch
grösseren Ort Ston, der - wie viele der Orte an dieser Küste - mit einer Stadtmauer umgeben ist. Zu unserer Verwunderung zieht sich diese Mauer nicht nur um den Ort sondern reicht auch den dahinter liegenden Berg hinauf, wobei ihr Aussehen an die chinesische Mauer erinnert. Welchem Zweck diente diese Ausdehnung der Mauer, sollte sie verhindern, dass Gegner eine beherrschende Position oberhalb des Orts einnehmen konnten?. Dass dieser Gedanke nicht abwegig ist, zeigte ja der Krieg vor wenig mehr als 20 Jahren, wo die Stadt Dubrovnik von den bosnischen Serben von dem hinter ihr liegenden Berg beschossen wurde. Wir machen einen kurzen Halt am Rand des kleinen Orts bei einer kleinen Bar, ich erfrische mich mit einer Fruchtglace, Illa wieder mal mit einem Tonic-Wasser, wobei wir uns über den Sinn der Befestigung unterhalten, offenbar war dies auch schon früher eine unsichere Gegend.

Der verhängnisvolle Geröllstrand
Auf der Rückfahrt, die Strasse macht einen Bogen um eine Bucht, sehen wir plötzlich einen Strand mit Badenden, ich bekomme Lust aufs Wasser, Illa unterstützt mich in diesem Wunsch. Ueber einen steilen Pfad, der durch stachelige Vegetation führt, gelangen wir zum Strand, der hier praktisch nur aus grobem Geröll besteht. Die anderen Leute liegen unter mitgebrachten Sonnenschirmen, wir finden einen leidlich schattigen Platz unter einem Gebüsch neben einer Geröllhalde. Ich wechsle in die Badehose und stakse dann ungeschickt über das grobe Geröll zum Strand, da ich seit langem nicht mehr im Meer gebadet habe, mit entsprechend grosser Vorfreude. Das Wasser ist kühl und erfrischend und von kleinen Wellen bewegt. Leider muss ich erkennen, dass schon diese geringfügigen Wellen genügen, um mich - mit meinem seit meiner Herzoperation vor zwei Jahren stark verschlechtertem Gleichgewichtssinn - stark zu verunsichern. Ich versuche krampfhaft das Gleichgewicht zu bewahren und in tieferes Wasser zu gelangen, wo ich schwimmen kann. Dabei achte ich auf die Beschaffenheit des Bodens, ob vielleicht Seeigel vorhanden sind, doch der Grund ist nur mit demselben weisslichen Geröll bedeckt. Endlich gelange ich in tieferes Wasser und setze zum Schwimmen an, nur um zu merken, dass auch dies beeinträchtigt ist. Früher konnte ich schwimmen und tauchen wie ein Fisch, jetzt hänge ich wie ein Anfänger schräg im Wasser und mache schnelle Tempi, um den Kopf oben zu halten. Erst nach einiger Zeit entspanne ich mich, mache dann einen Bogen zum Land zurück und rufe zu Illa, dass der Strand hier sauber und unproblematisch ist. Genau in diesem Moment sehe ich links unter mir dunkle kugelige Gebilde, ähnlich Kastanien, dann auch zur rechten Seite, dann überall. Vorsichtig schwimme ich zwischen den Seeigelkolonien hindurch, setze meine Füsse vorsichtig auf den Boden und wate die paar Meter bis zum Ufer. Illa auf mich wartet, ich freue mich, dass es ohne Verletzungen abgegangen ist, obwohl die letzten Meter über das spitze Karstgeröll vom Ufer bis zu unserem Lagerplatz sehr schmerzhaft auf die Fusssohlen einwirken. Gerade als ich die Socken anziehen will bemerke ich, dass ich seitlich an einer Zehe des rechten Fusses blute. Illa inspiziert ihn sofort aufs gründlichste und findet dann noch zwei weitere blutende Stellen, offensichtlich habe ich doch einen Seeigel erwischt.

Illa erweist sich als wahre "Florence Nightingale", beim Wagen besteht sie darauf, dass ich sofort die noch versiegelte Autoapotheke öffne, leider enthält diese nur Binden und Bandagen, jedoch kein Leukoplast und vor allem keine Desinfektionsmittel. Im nächsten Küstenörtchen finden wir eine Apotheke, ich muss mich schräg auf den Fahrersitz setzen und Illa verarztet dann die Wunden auf sorgfältigste Art und Weise, zuerst mit Desinfektionsspray, dann mit Bepanthen, um sie anschliessend zu verpflastern. In Dubrovnik angekommen, setze ich Illa beim Buze-Tor ab, fahre dann wieder zurück zur Public Garage. Anschliessend absolviere ich - trotz meines lädierten Fusses - eine sportliche Glanzleistung. Auf halbem Rückweg, das Buze-Tor liegt bereits vor mir - realisiere ich, dass ich meine Kamera im Auto zurückgelassen habe. Nach einiger Ueberwindung siegt mein Hobby und ich wandere den steilen Weg bis zur Garage zurück. Beim zweiten Mal gelange ich bis zum Buze Tor, dann die steile Stiegenflucht bis zu unserer Pension und die beiden Treppen hinauf bis zu Illa. Nachdem ich ins Zimmer eingetreten bin, realisiere ich, dass die Früchte, welche wir fürs morgige Frühstück in Ston gekauft hatten, im Auto geblieben sind. Diesmal braucht es schon mehr Ueberwindung, doch ich mache mich nochmals auf den Weg. Wie immer merke ich übrigens, dass lange Wanderungen sich auf meinen Gleichgewichtssinn positiv auswirken.

Als ich in die Pension eintrete, merke ich, dass das Büro besetzt ist. Schon von Anfang hatte ich gesehen, dass das ständige Treppensteigen für Illa eine Belastung ist, dazu ist Dubrovnik zwar eine wunderschöne Stadt, doch ähnlich wie bei Venedig auf der anderen Seite der Adria ist es von Touristen überlaufen, sodass einem eine Woche trotz der Schönheit lang werden kann. Ich trete also ins Büro ein und stelle die Frage an die junge Frau, ob wir unseren Aufenthalt abkürzen können. Sie ist bereit auf meinen Wunsch einzugehen, will aber zuerst noch mit der Direktion sprechen. Auf jeden Fall müssten wir jedoch noch einen Tag bleiben. Ich eile mit der guten Botschaft zu Illa und wir machen uns bereit für den Abendspaziergang.

Wir lassen uns durch den Strom der Passanten auf dem Stradun treiben, laufen durch viele Gässchen auf der Suche nach einem Restaurant, wo wir nur einen Drink nehmen können, doch alle Tische sind fürs Abendessen gedeckt und die Kellner dulden keine Ausnahmen. Dann - nach längerer Suche müde geworden - geben wir nach und setzen uns fürs Abendessen an einen Tisch eines Restaurants, welches wir an jeder Strassenecke hätten finden können: Illas Rasnici und meine Cevapcici entsprechen dem unteren Bereich der Mittelklasse der balkanischen Küche, ganz im Stile dieser Küche ist auch der vorher als Apero gewählte Gin Tonic viel zu
süss. Doch dann endet der Abend dann doch noch mit einer erheiternden Note, als wir die englische, deutsche und französische Version der Speisekarte studieren. In der englischen Version lese ich unter Punkt 8 sprachlich korrekt "Fish platter with scampi and sea-bass (2 persons)". Ich kann mir nicht erklären, auf welchem Weg die deutsche Version "Fisch Gehaltsmonitor mit Scampi und Seebarsch (für 2 Personen) entstanden ist. War vielleicht ein automatisches Uebersetzungsprogramm wie Babelfisch am Werk? Doch wenigstens stimmen in der deutschen Version die Namen der Meerestiere. Jedoch in der französischen Version wird der Seebarsch zu einem "poisson de la mer basse", was lautmalerisch nur noch entfernt an "sea-bass" erinnert.
Eines der typischen Schaufenster von Dubrovnik

Auf dem Rückweg zu unserem Appartement fällt mir auf, dass alle Läden der Altstadt dieselben Fenster haben, ein Rundbogen, der in der einen Hälfte volle Stehhöhe erreicht, auf der anderen Seite jedoch zum Fenster verkürzt ist, das Ganze von einem steinernen Bogen umgeben. Manchmal dient der höhere Teil als Eingangstüre. Später erfahre ich, dass diese modern wirkende Normierung bereits im Mittelalter befohlen wurde. Wir queren den stimmungsvoll erleuchteten Stradun, erklimmen die Stiegen der Dropceva ulica und sinken müde in unser Bett.



Sonntag, 19. Juni 2016

Ein ruhiger Tag in Dubrovnik

Nach den Strapazen des gestrigen Tags schlafen wir länger als gewöhnlich, wie schon gestern gesagt, ist die Einbauhöhe des Spiegels im Badezimmer gewöhnungsbedürftig, beim Rasieren muss ich mich auf die Zehenspitzen stellen, damit ich auch den unteren Gesichtsbereich im Visier habe. Da wir nicht alle Zutaten fürs Frühstück haben, entschliessen wir uns für ein Frühstück im Ragusa 2 und setzen uns gegen halb zehn Uhr an eines der Tischen, es ist bereits ziemlich warm, doch die Sonne gelangt mit ihren Strahlen noch nicht in die enge Gasse. Wir sind nicht allzu begeistert von diesem Frühstück, es gibt kein Buffet und Eier und etwas Wurst bekommen wir erst auf ausdrückliche Bestellung. Damit ist unser Entschluss noch fester, die künftigen Dubrovniker Frühstücke selber zu organisieren.
Der Stradun - Hauptstrasse von Dubrovnik - am Sonntagmorgen

Nach dem Frühstück schlendern wir herunter zum Stradun und laufen dann in Richtung des Pile-Tors, wo wir an der Franziskaner-Kirche vorbeikommen. Durch die offene Tür hört man Gesang, dann ein Gebet, wir treten ein, beschliessen die Messe mitzufeiern. Das Gebet, welches gerade von der Menge gesprochen wird, erkenne ich in jeder Sprache sofort, denn Rhytmus und Intonation des Vaterunsers klingen immer sehr ähnlich. Während die Messe ihren Lauf nimmt, denke ich über den Katholizismus nach, über seine Funktion, sie trug die Fackel der Globalisierung weiter, nachdem das römische
Messe in der Franziskanerkirche
Reich untergegangen war. Früher, als die Messe noch in Lateinisch gehalten wurde, war dieser globale Anspruch noch deutlicher, denn egal wohin man kam, es wurden immer dieselben Worte, dieselben Sätze gebraucht. Ich denke an die Klöster, wie dieses Franziskanerkloster, welche in den dunklen Zeiten des Mittelalters das Licht der antiken Kultur am Brennen hielten. Trotz der negativen Rolle, welche die Amtskirche dann in der Neuzeit zeitweise gegen Wissenschaft und Kunst einnahm, muss man doch sagen, dass die Aufklärung und die moderne Technik letztendlich auf der Basis diese Klöster entstehen konnte.
Haupteingang zur Altstadt: das Pile Tor
Der hl. Blasius thront über allen Toren der Stadt

 Nach der Messe laufen wir zum Pile-Tor, welches den Haupteingang zur Stadt darstellt, denn bis zu dem Platz davor dürfen Busse und Taxis fahren, innerhalb der ganzen Altstadt gibt es nur Fussverkehr, für den Warenverkehr Handkarren und kleine Elektrowägelchen. Ueber dem Pile-Tor steht die Statue des heiligen Blasius, er ist der Schutzpatron der Stadt und deshalb über allen ihren Toren zu sehen.

Kreuzgang Franziskanerkloster
Anschliessend besichtigen wir das Franziskanerkloster, welches heute ein Museum ist. Bei der Besichtigung des Kreuzgangs muss ich wieder an die globalisierende Wirkung denken, denn ähnliche Kreuzgänge sieht man in Italien, Frankreich, im Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen und auch in den "Spanish Missions" von Kalifornien. In einem Nebenraum des Kreuzgangs eine Besonderheit - die älteste Apotheke der Welt - in der seit 1317 ohne Unterbrechung Salben und Medikamente hergestellt werden.
Die älteste Apotheke der Welt

Nach dieser Besichtigung laufen wir den Stradun wieder zurück bis zum Pile-Tor, kurz davor das schöne Verwaltungsgebäude der Stadt, in einem Nebenraum ist ein Zimmer zur Erinnerung an die Kriegsereignisse vor 21
Jahren eingerichtet. Kroatien ist bei Dubrovnik nur ein dünner Streifen entlang dem Meer, die Berge oberhalb der Stadt waren von den bosnischen Serben besetzt, welche die Stadt durch schonungslosen Beschuss in die Knie zwingen wollten. Dabei wurden 70% der alten Gebäude beschädigt und es ist ein Wunder, wie diese Stadt heute wieder aussieht!
Gebäude brennen nach einem Fliegerangriff

Als wir wieder auf den Stradun hinaustreten, beginnt die Dämmerung einzusetzen und damit ein wunderschönes Schauspiel: hunderte von Schwalben fliegen mit lebhaftem Zwitschern über dem abendlichen Corso hin- und her, machen halsbrecherische Flugmanöver. Wir
laufen durch viele der Gässchen, welche vom Stradun abzweigen, praktisch jedes der Häuser enthält ein Restaurant oder Cafe, noch nie haben wir eine Stadt mit einer solchen Dichte an Essmöglichkeiten gesehen. Doch dann finden wir
"Saddle of Iberico Pork"
"unser" Restaurant, im Gegensatz zu den meisten anderen, die das übliche Balkan-Angebot feilhalten - Cevapcici, Rasnici & Co. - ist dieses Restaurant etwas Besonderes, auch ist es nicht so überlaufen. Wir setzen uns an einen Tisch und trinken zuerst ein Mal einen Gin Tonic. Wenn man sehr Durst hat, gibt es nämlich nur zwei Dinge, welche so herrlich prickelnd erfrischen: ein kühles Bier oder eben ein nicht zu süsser Gin Tonic. Als Vorspeise wählen wir eine sehr gut zubereitete Gazpacho und zur Hauptspeise ein dickes Rückensteak vom Iberico-Schwein, es ist exakt auf den Punkt gebraten. Glücklich und gesättigt laufen wir durch die erleuchteten Gässchen zu unserem Appartement und schlafen sofort tief und fest.

Karte der Altstadt von Dubrovnik
Während wir schlafen, eine kurze Erklärung des Stadtplans von Dubrovnik, mit den Punkten, die wir bisher besucht haben: Durch das Ploce-Tor waren wir gestern mit unseren Koffern gerollt, dann über den Stradun, anschliessend abgebogen, die Prjeka ist die Strasse wo wir gefrühstückt haben, 30 m oberhalb liegt unser Appartement an der Dropceva ulica. Die Franziskanerkirche und das Kloster liegen direkt vor dem Pile Tor, bis wohin Busse und Taxis fahren.


Samstag, 18. Juni 2016

Von Plitwicka Jezera über Split nach Dubrovnik

Wir schlafen wunderbar in dieser Pension, überhaupt hatten wir seit Anbeginn dieser Reise bisher immer Glück mit der Qualität der Betten. Mich weckt ein Sonnenstrahl und die Bewegung des Schattens der Baumäste, der durch das Fenster fällt, dazu der süsse Gesang einer Nachtigall. Das Frühstück ist wieder etwas Besonderes in diesem Haus, darauf wurde übrigens schon auf der Homepage dieser Pension hingewiesen. Es gibt wieder von dem wunderbaren Schinken, lokale Wurstwaren und insbesondere einen schmackhaften Frischkäse von der Art, wie er nur in dieser Gegend produziert wird. Bereits gestern auf der Fahrt war mir übrigens aufgefallen, dass vor vielen Bauernhöfen Schilder mit den Aufschriften «Sir» (Käse) und «Med» (Honig) stehen, beide Ausdrücke sind mir aus dem Tschechischen geläufig.

Vom satten Grün zurück in den trockenen Karst
Wir sind fast ein wenig traurig, als wir dieses gastliche Haus verlassen, doch siegt die Neugierde auf das Kommende, unser nächstes Ziel ist die Stadt Split mit ihrem Diokletianspalast. Zuerst durchfahren wir wieder saftig grüne Landschaften mit tiefen Wäldern, doch dann – wir nähern uns der Adria – wechseln sie über in eine trockene Halbwüste mit Steinen, zwischen denen vereinzelte Büsche wachsen. Aus der Einsamkeit der Plitwitzer Seen geraten wir in Split in den Trubel einer Touristenstadt, das Navi führt uns zu einem offensichtlich antiken Gebäude, doch nirgendwo ist ein Parkplatz zu sehen, der Verkehr in der Stadt ist mörderisch. In meiner Not gelange ich in eine lange enge Sackgasse,
aus der ich mich nur durch eine heikle Fahrt mit dem Rückwärtsgang – zur Rechten eine Mauer, wenige Zentimeter zur Linken parkierte Autos – befreien kann. Endlich finde ich dann am Hafen doch noch einen öffentlichen Parkplatz, zufällig ist gerade ein Platz frei geworden.
Wir befinden uns direkt neben dem Diokletianspalast, der alte Kaiser wusste damals noch nicht, dass seine offizielle Adresse eines Tages «Dioklecijanova ulica 5» lauten würde, diese Adresse hatte ich ins Navi eingegeben. Doch zuerst ein Mal haben wir Durst und setzen uns an ein Tischchen eines der Cafés, welche an die Palastmauer anschliessen, unter dem Schutz eines grossen Sonnenschirms, der uns vor der Hitze der sengenden Sonne schützt. Wir bestellen beide ein Schweppes, dazu Sandwiches
Hose mit zufriedenem Gesicht
und betrachten in Ruhe die andere Strassenseite, die von zahlreichen Marktbuden gesäumt wird. Direkt gegenüber steht ein Mädchen hinter einem Tresen und bietet Smoothies an, sie langweilt sich sichtlich, da sie keine Kunden hat. Dann endlich kommt ein dicker junger Mann und bestellt, ich schiesse ein Foto, denn er steht dicht neben der Tafel, welche die schlankmachende Wirkung dieser Getränke anpreist, die Hose über seinem gewaltigen Hintern schlägt Falten, wie ich sie aus einer Zeichnung von Wilhelm Busch kenne, wo die Falten einer Hose alle möglichen Gesichtsausdrücke annehmen.

Nach dem Imbiss laufen wir zum Palast
Die Nebengasse entlang der Seitenfront des Palasts
zurück, biegen um eine Ecke seiner zyklopischen Mauer und befinden uns in einer Seitengasse mit vielen Marktbuden, welche entlang der antiken Mauer aufgestellt sind und die allen möglichen Touristenplunder verkaufen. Etwas weiter hinten gelangen wir dann durch ein grosses Tor ins Innere der Palastanlage, von der noch erstaunlich viele Teile erhalten sind. Es handelt sich übrigens nicht im eigentlichen Sinne um eine Ruine oder um ein Museum. Wie eine alte abgestorbene Eiche, in deren Höhlungen allerlei Getier haust, so ist auch dieser ehemalige Palast durchsetzt mit Leben, in seine Bögen wurden Läden und Cafés eingebaut, daneben stehen Häuser, in deren Front antike
Eingang zum Vorhof
Säulen integriert sind, ein Kellergewölbe ist zu einer Art orientalischem Bazar umgewandelt worden, wo Juweliere ihre Waren anbieten. Im hinteren Bereich gelangen wir in einen hohen Saal, der von einer offenen Kuppel gekrönt wird, im Zentrum eine Sängergruppe, bei der es sich um eine bekannte kroatischen a Capella Chor handelt. Sie beginnen zu singen, mit tiefen melodischen Stimmen, der Gesang erinnert an slawische Kirchengesänge und er gefällt uns so gut, dass ich nicht nur ein kurzes Video drehe sondern Illa auch eine CD der Gruppe kauft.

Im Innenhof des Diokletianspalasts
Nach zwei Stunden sind wir wieder unterwegs, die Strasse führt nun meist in Serpentinen entlang einer felsigen Küste, die von zahlreichen Inseln gesäumt ist, oft hat man eher das Gefühl von Seen, da die Inseln den Blick in die freie Adria verstellen. Es ist eine der schönsten Meeresküsten, die wir bis jetzt gesehen haben. Ganz plötzlich führt die Strasse aus der trockenen Halbwüste hinunter in eine weite grüne Ebene, die sich zu beiden Seiten eines breiten Flusses ausdehnt. Dies ist das Mündungsdelta der Neretva und sofort ist die Strasse von Marktständen gesäumt, an denen frisches Obst und leuchtend rote Tomaten angeboten werden. Leider verpasse ich rechtzeitig zu halten, denn ich würde gerne
Ein Gemisch von Zeitaltern
Gemüse für mein gewohntes orientalisches Frühstück mit Schafskäse und Oliven kaufen, denn plötzlich befinden wir uns auf der anderen Seite der Ebene, die Strasse führt wieder steil nach oben in die dürre Karstlandschaft. Wir halten vor dem «Market» eines kleinen Dörfchens, wo man die immer noch vorherrschende Kargheit der Lebensbedingungen der hiesigen Landbevölkerung sehen kann, denn sein armseliges Angebot erinnert an den früheren Ostblock. Ich kaufe ein Stück Brot, einen Hartkäse, eine Packung aufgeschnittener Salami und eine kleine Trockenwurst, denn wir wissen nicht, wie lange die Geschäfte in Dubrovnik am Samstag offen sind.

Zwei römische Kroaten
Plötzlich kommen wir wieder an eine Grenze, Bosnien-Herzegowina besitzt kurz vor Dubrovnik ein kleines Stück Meeresküste, nach wenigen Kilometern, kurz vor Dubrovnik, müssen wir schon wieder die Grenze zurück nach Kroatien überschreiten. Es versteht sich, dass wir dies wegen Illas abgelaufener Identitätskarte stets mit etwas Bauchgrimmen tun. Dubrovnik kündigt sich mit einer riesigen Hängebrücke an, ihr Name lautet «Most Dr. Franja Tuđmana» und sie ist dem zweifelhaften ersten Staatspräsidenten des neuen Landes gewidmet. Kurz darauf führt die Strasse schräg nach abwärts, seitlich davon ein tiefer Graben, hinter dem die hohen Mauern der Altstadt von Dubrovnik erscheinen. Es handelt sich um eine enge Einbahnstrasse und ich suche verzweifelt nach einem freien Parkplatz in der Nähe des Buza-Tors, da wir von diesem Tor den kürzesten Fussweg zu unserem Hotel haben. Endlich finde ich einen Parkplatz, jedoch funktioniert der Parkautomat nicht, ich muss eine ganze Strecke hochlaufen, um einen funktionierenden Apparat zu finden. Die Strafen sind hier nämlich drakonisch, auf einem Schild steht, dass ein Wagen, der länger als 10 Minuten ohne Parkschein angetroffen wird, mit der Bezahlung einer Tagesmiete bestraft wird, die immerhin gegen 50 Euro kostet.

Wir entladen das Nötigste aus unserem Wagen, Illa zieht den grossen Koffer auf Rädern, ich den kleineren und trage gleichzeitig meinen schweren Aluminiumkoffer in der linken Hand, so holpern wir über die groben Pflastersteine durch das Ploce-Tor in die Altstadt, gelangen auf den Stradun, die zentrale Strasse dieser Stadt, welche beim Ploce-Tor in der Nähe des Hafens beginnt und auf der anderen Seite der Stadt mit dem Pile-Tor endet. In diesem Moment hören wir Trommelwirbel, auf dem Stradun kommen uns fünf junge Männer in mittelalterlichen Landsknechttrachten entgegen, auf dem Kopf ein keckes Barett, Hellebarden geschultert. Offensichtlich ist dies der Brauch, der in Dubrovnik den Abend einläutet.

Ich weiss, dass unser Appartement an der Ulica Dropceva liegt, einem der kleinen Seitensträsschen, die seitlich vom Stradun nach oben führen. Nach einigen Rückfragen finden wir dann die Dropceva und sehen, dass es weniger eine Strasse als eine Folge von steil aufwärtsführenden Stiegenfluchten ist. Illa ist nun schon ziemlich müde, ich lasse sie mit den Koffern an einem Tischchen eines kleinen Cafés zurück. In der Zwischenzeit gehe ich auf Rekognoszierungstour, steige die Stiegen hoch, quere eine Parallelgasse zum Stradun, die voll mit Tischen zahlreicher Restaurants ist, die Dropceva führt aber noch weiter nach oben, erst nach zwei weiteren Stiegen stehe ich vor dem Eingang der «Old City Appartements». Die Tür ist jedoch geschlossen, ich versuche ergebnislos einen Telefonanruf, dann sehe ich ein Schild mit der Anweisung, bei geschlossener Tür beim darunterliegenden Restaurant vorzusprechen. Ich finde einem Kellner, der meine Meldung weitergibt, kurze Zeit darauf erhalte ich die Information, dass in wenigen Minuten der Empfang der Pension besetzt sein wird.

Ich laufe sofort zu Illa zurück, sie hat sich unterdessen bei einem kühlen Bier etwas erholt, als sie ihren Koffer die Stiegen hochtragen will – ich möchte dies nicht und will lieber zweimal laufen – kommt ein freundlicher junger Kroate und nimmt ihr den Koffer ab. So gelangen wir als kleine Prozession wieder nach oben, wo eine junge elegante Frau in einem kleinen Büro im Untergeschoss auf uns wartet. Sie hat gerade begonnen unsere Personalien aufzunehmen als plötzlich eine grosse Hornisse ins Büro hereinfliegt. Illa bleibt ruhig, die junge Frau aber wird fast hysterisch, beide verlassen sicherheitshalber das Büro, während ich meine unerschrockene Männlichkeit zur Schau stelle, indem ich mit einer dicken Touristenbroschüre versuche, das Tier an die Wand zu klatschen. Das Insekt entkommt mir immer wieder, endlich gelingt es mir, auf einem Stuhl stehend, den Eindringling zu erschlagen, die junge Kroatin hat auch jetzt noch soviel Angst, dass ich es in ein Papier einwickeln und so im Papierkorb entsorgen muss.

Anschliessend führt sie uns zu unserem Zimmer – leider wieder über zwei steile Treppen. Im Zimmer ein grosses Himmelbett, davor ein kleiner Salontisch mit einer grossen Couch. Seitlich eine Einbauküche und daneben das Bad. Es fällt uns sofort auf, dass sowohl Küche wie auch Bad von Riesen angelegt worden sind. Mit meinen 175 cm – ich bin altershalber schon um einige Zentimeter geschrumpft – kann ich im Badzimmerspiegel gerade noch die obere Hälfte meines Gesichts sehen, für Illa natürlich ein hoffnungsloser Fall. Dasselbe gilt für die Küche, wo ich die Gläser im untersten Regal gerade noch mit ausgestrecktem Arm berühren kann. Ich fühle mich wie Gulliver im Lande Brobdingnag. Illa findet dann zum Glück einen Spiegel neben dem Himmelbett.

Ich lasse Illa im Appartment zurück, damit sie sich ausruhen kann und steige die Stiegen der Dropceva diesmal zum Buze-Tor hoch, von dort ist nur noch ein kurzer Weg bis zu unserem Wagen, dessen Parkzeit bald abläuft. Ich will ihn zur «Public Garage» bringen, in der die meisten Besucher der Stadt ihre Autos unterbringen. Leider befiehlt mir das Navi nach rechts abzubiegen, ich gelange immer weiter den Hang hoch und ende am Schluss in einer Sackgasse. Also programmiere ich das Navi wieder auf den Ausgangspunkt, erreiche diesen auch, doch auch dieses Mal finde ich die richtige Einbahnstrasse nicht, die zur Public Garage führt. Dafür habe ich ein Inzident mit einem kroatischen Polizisten: ich bleibe einen Moment stehen, um einen Passanten nach dem Weg zu fragen, in diesem Moment beginnt ein anderer Mann, den ich als Polizist erkenne, aus vollem Halse zu brüllen, ich solle weiterfahren,  In meiner ersten Verwirrung lasse ich den Wagen ein Stück zurückrollen, hinter mir hupt ein Auto protestierend , worauf der Polizist noch mehr auf mich einbrüllt und auf mich zukommt. Da er meine Autonummer nicht sehen konnte, gebe ich einfach Gas
Die doppelten Befestigungsmauern von Dubrovnik, die Strasse, die zur Public Garage führt, verläuft im Graben
und lasse ihn brüllen. Erst im dritten Anlauf erkenne ich, dass die enge, wie eine Sackgasse aussehende Strasse, die direkt in den Festungsgraben unter der Stadtmauer führt, diese unterquert und beim Pile-Tor in den Platz mündet, den die Taxis und Autobusse anfahren. Von diesem Platz führt die
Illa ist sichtlich müde
einzige Einbahnstrasse nach oben, welche zur Public Garage führt. Dort kaufe ich ein Ticket für eine Woche und merke dabei, dass Dubrovnik keine billige Stadt ist, es kostet umgerechnet 200 Franken. Langsam laufe ich dann die abschüssige Strasse gegen das Buze-Tor hinunter, die alte Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen liegt unter dem Licht des Mondes, ein unwirklich schönes Bild.


Wir haben heute keine grosse Unternehmungslust mehr, so steigen wir nur die Stiegen zur Querstrasse hinab und nehmen das Abendessen im Schein von Laternen ein, welche die Tische romantisch beleuchten. In
Die Gasse als endloses Restaurant
dieser parallel zum Stradun verlaufenden Gasse reiht sich ein Lokal ans andere, fast die gesamte Strassenfläche ist mit Tischen besetzt, nur in der Mitte führt ein enger Weg hindurch, ein schöner Anblick, wie sich das Licht der Laternen in der Ferne verliert. Wir wählen das uns nächste Restaurant namens Ragusa 2, zu welchem auch unser Appartement gehört und bestellen gegrillte Tintenfische, dazu zwei
grosse zischende Biere, welche die Lebensgeister wieder zurückbringen. Auf diese Weise haben wir die nötige Kraft, um die Stiegen hinauf zu unserem Himmelbett zu überwinden.